Twitter und der Sinn des Lebens
Unter Twitterern entwickelt sich immer wieder eine angeregte Diskussion darüber, was genau der Sinn von Twitter ist bzw. was und wieviel davon mal von sich geben sollte.
Aufschlüsseln kann man wohl 2 Kriterien:
Allen diesen Kriterien liegt aber die Frage zu Grunde: was genau ist der Sinn von Twitter? Antwort: re ipse hat Twitter keinen Sinn. Der Sinn entsteht durch die Verwendung durch die User, also durch mich als Schreibenden und als Lesenden: was genau erwarte ich von den anderen Twitter-Usern?
Manche lassen alle 3-4 Tage ein Bon Mot ab, welches erahnen läßt, daß seine bauhausgleiche Einfachheit ein mehrtägiges Schnitzen an Worten erfordert hat. Warum sie das machen? Ich weiß es nicht, aber ich genieße oft das Ergebnis.
Andere posten hier und da einen Link auf eigene Produkte, Aktionen oder Angebote. Hier ist die Motivation ersichtlich und ich followe, wenn für mich vorher erkenntlich ist, daß es im wesentlichen um professionelle Promotion geht.
Eine weitere Gruppe schreibt wenige Tweets und wenn, dann steht irgendwas drin: Privates, ein interessanter Link, ein Kommentar auf einen anderen Tweet ... whatever.
Ich schließlich gehöre zu einer Gruppe von Leuten, die relativ viel von sich geben. Über den Nutzwert für andere kann ich nicht selbst urteilen, der kann unterschiedlich sein, je nach Blickwinkel.
Was Twitter für mich interessant macht ist die bisher nicht gekannte Mischung aus Menschen unterschiedlichster Herkunft, Interessengebiete und Denkart. Nirgends auf dieser Welt kann ich gleichzeitig Kontakt zu so vielen verschiedenen interessanten Menschen haben. Menschen sind nicht eindimensional, ich interessiere mich nicht nur für "Webentwicklung mit PHP", ich mag auch laut über Soziologie (Social Media, neue Ansätze für Lern- und Lehrstrategien, Massenphänomene etc.) nachdenken oder Menschen zuhören, die auf völlig anderen Gebieten tätig sind, seien es Weinspezialisten, Anwälte, Webshopbetreiber, Autoren oder Berater. Und da das Medium bidirektional ist, möchte ich auch antworten können, unidirektionale Medien langweilen mich häufig. Heisenberg sagte einmal: "WIssenschaft entsteht im Gespräch". Ich würde das ausdehnen auf Erkenntnisse im Allgemeinen.Durch unidirektionale Medien kann ich die Postulate einiger weniger konsumieren, aber nichts aktiv lernen (siehe Clay Shirky, "Here comes everybody").
Das alles führt fast zwangsläufig zu einer relativ großen Anzahl von Tweets pro Tag und ist sicherlich eine Belastung für Follower, die wenig Zeit fürs Lesen aufwenden wollen oder können oder 2000 Leuten gleichzeitig folgen.
Damit kommt auch die Frage nach anderen Medien auf:
- Instant Messager: erlauben nur die Kommunikation mit Einzelnen oder geplante virtuelle Meetings mit wenigen vorher festzulegenden Personen
- Blogs: nahezu unidirektionale Form der Kommunikation
- Foren: sind fast ausschließlich themenzentriert und nicht unbedingt von den Menschen bevölkert, die ich gerne erreichen möchte
- IRC: für Internet Releay Chat trifft ein Teil des zu Foren gesagten zu: auch hier handelt es sich um themenzentrierte Channels und manche Leute werde ich dort nie finden
- Social Sites: Communities oder Networking Sites kommen der Erreichbarkeit per Twitter relativ nahe, die konkreten Diskussionsgruppen sind aber wieder meist themenzentriert.
Ich denke, abschließend ist der "korrekte Gebrauch" von Twitter nicht zu klären. Daher erübrigens sich auch Metadiskussionen über ein Medium in demselben. Manchmal kommt noch der Hinweis auf Tools, die zur Qualitätskontrolle auf Twitter dienen könnten ... da müßte dann zunächst geklärt werden, ob die Definition von Qualität und richtigem Twittergebrauch des Toolentwicklers mit der eigenen übereinstimmt, ansonsten sind diese Tools einfach nur Web 2.0
Ob das was wird?
Sinner-Schrader präsentiert eine aktuelle Recruiting Kampagne mit einem hervorragend gemachten Video, das einen der Problempunkte der Beschäftigung in der IT sehr treffend auf den Punkt bringt. Edit: Mittlerweile haben sich meine Kritikpunkte an der Kampagne erledigt, ich hielt die Diskussion aber doch für wert hier im Blog noch zu erscheinen.
Ich frage mich allerdings, wer eigentlich die Zielgruppe des Filmchens ist:
- Sind es wechselwillige Selbstständige, die den öffentlichen Tiermarkt der Projektvermittler einfach satt haben? (davon gibt es sicher nicht wenige und mit jedem unfähigen Projektvermittler werden es mehr)
- Oder sind es doch Stellensuchende (ob nun schon wo anders beschäftigt oder noch gänzlich frei verfügbar spielt dabei keine Rolle)
Erstere wird man mit diesem Film zwar ansprechen können, aber wie das alternative Angebot von Seiten der Agentur aussieht, sagt er nicht (soll er wohl auch kaum, wo soll man so viele Infos hin packen?). Ich kann nur von den Angeboten schließen, die ich bisher erhalten habe. Da gabs dann welche, die mir ein Gehalt geboten haben, das nicht mal der Hälfte dessen entspricht, was ich mit meiner selbstständigen Arbeit verdiene. Oder welche, die mir ein ganz ordentliches Gehalt geboten haben, dafür aber auf dem gesetzlichen Maximalmaß an unbezahlten Überstunden (ca. 32% der Regelarbeitszeit) bestehen. Das finde ich ich irgendwie nicht ganz einsichtig: wer mit meiner Arbeitszeit Geld verdient sollte mir diese auch bezahlen.Ich bekäme von ihm ja auch keine 500 Euro Bonus einfach so gezahlt (warum auch?).
Mittlerweile weiß ich aus einem Gespräch mit einem Mitarbeiter von Sinner-Schrader, daß es sich wohl tatsächlich um eine Kampagne für wechselwillige feste Mitarbeiter handelt, die mit ihrer Situation bzw. häufigen Dienstreisen nicht zufrieden sind. OK, dann gehe ich mit der gesamten Kampagne d'accord. Ich hab das ganze wohl zu sehr auf meine eigene Situation angewandt. Oder der Film ließ das zu sehr offen. Weiß nicht, jedenfalls: Kompliment meine Herren und Damen, da ist Ihnen ein knackiges Filmchen gelungen!